Ein kleiner Filmüberblick: Mai 2025
Das Filmjahr 2025 ist im vollen Gange und ich bin nicht dazu gekommen, viel darüber zu schreiben. Daher kommt hier eine kleine Übersicht über alle neuen Filme, die ich bisher 2025 gesehen habe.
Jetzt ist es doch passiert… Wie so viele Blog-Besitzer und -Besitzerinnen vor und nach mir, muss ich nun auch zugeben, mein anfänglich enthusiastisches neues Hobby vernachlässigt zu haben. Was ist meine Ausrede? Ebenfalls wie bei allen: Leben kam dazwischen.
Fairerweise muss ich aber sagen, dass nicht nur Verpflichtungen, Ablenkungen und ein neuer Job meine Schreiblust gestört haben. Das Filmjahr 2025 hat bisher für mich keine großen Highlights beschert, über die ich Artikel in der üblichen Länge verfassen würde. Daher stellte ich mir die Frage: “Wie kann ich diesen Blog weiterführen und über mein Lieblingsthema schreiben, ohne dabei zu viel Zeit und Energie aufzuwenden?” Die Antwort: Alles herunterbrechen!
In weniger Sätzen als sonst möchte ich an dieser Stelle kurz über die Filme sprechen, die neu in 2025 veröffentlicht wurden und die ich gesehen habe. Viel Spaß beim Lesen meiner kleinen Filmübersicht (in chronologischer Sichtungsreihenfolge) vom Stand Mai 2025.
“Kneecap” – Rotzfrech auf die Zwölf!
Das Jahr begann mit einem der ungewöhnlichsten Musik-Biopics, die ich je gesehen habe. “Kneecap” erzählt die wahre (halb-fiktive?) Geschichte eines irischen Hip-Hop-Trios mit demselben Namen. In einem schwungvollen Plot sehen wir, wie die drei Bandmitglieder Móglaí Bap, Mo Chara und DJ Próvai (alle drei spielen sich selbst) ihre Grime-Rap-Combo gründeten, um der Tristesse ihres Alltags im nordirischen Belfast zu entkommen. Dabei gibt es neben jeder Menge Humor auch coole Musik direkt aus der Feder der Band, und sogar der wieder aufgetauchte Michael Fassbender (“The Killer”) lässt sich für eine Nebenrolle blicken.
Ich kannte Kneecap vorher nicht, aber in wenigen Minuten haben die drei chaotischen Jungs mein Herz erobert. Wahrscheinlich überzeichnet der Film einige Ereignisse, aber wie auch die jüngsten Auftritte von Kneecap beweisen, scheut sich die Band nicht davor, anzuecken. Das ist ihrem Biopic ebenso anzumerken. Geschrieben von Móglaí Bap und Mo Chara selbst, gelingt es dem Streifen neben der eigentlichen Geschichte auch noch Themen wie die Unterdrückung der keltischen Sprache in Nordirland sowie die Identitätskrise des Landes zu thematisieren.
Regisseur Rich Peppiatt (“Backseat Driver”) versetzt dem Ganzen den nötigen Pepp, indem er zwischen aufgeregter Überdrehtheit und absurden Momenten die nötigen emotionalen, menschlichen Momente einwirft. Damit trifft er im Film genau den Ton, den die Musik und die Persönlichkeit der Band Kneecap auszeichnen. Wild, laut und rotzfrech gibt “Kneecap” einen Einblick in das ziellose Leben drei junger Männer aus Belfast, die ihre Bestimmung und den Spaß im Leben in der Musik finden.
Meine Bewertung: 7/10
“Flow” – Ohne Worte alles gesagt
Mit “Flow” erreichte ein Oscargewinner etwas verspätet Deutschland. Aber das Warten lohnte sich. Der Animationsfilm, für den sich ein kleines Team aus Lettland verantwortlich zeichnet, gewann mit seiner simplen aber tiefsinnigen Geschichte den Respekt von Hollywood und auch mein Herz. Denn anders als die sonstigen üblichen Verdächtigen im Animationsgenre ließ “Flow” seine Bilder sprechen anstatt seine Figuren.
Der Plot ist schnell erzählt: In einer Welt, in der es anscheinend keine Menschen mehr gibt, muss sich eine einzelgängerische Katze mit anderen Tieren zusammenraufen, um einer Flut zu entkommen. “Flow” packt in knapp 90 Minuten wichtige Themen wie Freundschaft, Gemeinschaft und auch Spiritualität. All das lässt sich eher erahnen, als dass es ausbuchstabiert wird. Genau das macht diesen Streifen so erfrischend anders. Während andere Animationsfilme Jung und Alt mit einer Mischung aus vermeintlich erwachsenen und infantilen Humor ansprechen wollen, schafft “Flow” dies durch seine tiefsinnige Symbolik und niedlichen Tierhelden. Sicherlich könnte das Fehlen von Dialogen etwas zu anspruchsvoll für besonders kleine Kinder sein, aber das wird durch eine gewisse Verspieltheit und Leichtigkeit ausgeglichen.
Die Animationen sehen nicht immer perfekt aus, was bei einem kleinen Team mit bescheidenem Budget kein Wunder ist. Aber dafür hat “Flow” seinen ganz eigenen Stil, der ein wenig an Ölfarben auf der Leinwand erinnert. Zahlreiche One-Takes tragen ihr Übriges zum Visuellen bei. Mein persönliches Highlight war aber der Soundtrack, an dem der Regisseur, Co-Drehbuchautor und Editor Gints Zilbalodis auch mitgearbeitet hat. Neben der Mimik und Körpersprache der Tiere ist es die Musik, die die Emotionen trägt, ohne dabei dem Publikum ein Gefühl aufzuzwingen. “Flow” hat sich seinen Oscar als “Bester Animationsfilm” redlich verdient und macht mich als Europäer stolz, dass der Kulturfonds der EU solche wertvollen Werke unterstützt. Wer “Flow” noch nicht gesehen hat, sollte das unbedingt nachholen.
Meine Bewertung: 7/10
“Companion” – Originelle Story ≠ kreativ oder clever
Wie eine längere Episode von “Black Mirror” erscheint die Science-Fiction-Komödie “Companion”. Aber nicht wie die großartigen Episoden, die noch auf der BBC liefen. Eher wie die späteren Netflix-Ableger, auf Zynismus und Nihilismus verzichteten, um einem breiteren Publikum zu gefallen. Schade eigentlich, denn die Story hätte in den Händen anderer kreativer Menschen noch mehr aus ihrem Potenzial machen können.
Die Handlung von “Companion” versteift sich zu sehr darauf, mit Wendungen zu überraschen, als wirklich kohärent zu bleiben und sich auf seine Thematiken zu konzentrieren (dennoch möchte ich an dieser Stelle nichts verraten). Bei mir entstand der Eindruck, dass Drehbuchautor und Regisseur Drew Hancock (“Suburgatory”) unbedingt beweisen wollte, wie clever er ist. Jedoch fehlten ihm eigene Ideen, um hier wirklich etwas Neues zu erzählen. Viele Motive sind zu offensichtlich oder werden nicht tief genug dargestellt, die Dialoge stecken voller Klischees und die Regie drückt auch keine eigene Stimme des Regisseurs aus.
“Companion” steckt irgendwo zwischen “The Stepford Wives”, “Black Mirror” und “Get Out” fest, ohne das Beste von seinen Vorbildern zu lernen. Es überzeugen aber immerhin Sophie Thatcher (“Prospect”) und Jack Quaid (“The Boys”) in den Hauptrollen, und das Tempo von “Companion” reicht aus, um wenigstens nicht langweilig zu werden. Zum Nebenbei-Schauen an einem verregneten Sonntagnachmittag eignet sich der Film bestens, aber für eine tiefgehende Auseinandersetzung mit den Themen, die er eigentlich ansprechen will, nicht.
Meine Bewertung: 5/10
“Ash” – Das hätte etwas Besonderes sein können…
Schon lange sehnen sich Sci-Fi-Fans wie ich nach einem packenden kosmischen Horror, der die Nichtigkeit der menschlichen Existenz im Kontext des endlosen Weltalls behandelt. Und fast hätten wir mit “Ash” genau das bekommen, wenn da aber nicht immer dieses ideenlose Drehbuch wäre. Unter der Regie des Electro-Hip-Hop-Musikers Flying Lotus (“V/H/S 1999”) standen die Vorzeichen eigentlich gut, dass wir etwas Neues zu sehen bekommen würden.
Zur Handlung: Auf einem fernem Planeten erwacht die Wissenschaftlerin Riya (Eiza Gonzalez) in ihrer kleinen Station. Sie erinnert sich an nichts mehr, vor allem nicht daran, was die anderen Besatzungsmitglieder umgebracht haben könnte.
Auch wenn die Story anfängt wie so viele vor ihr, ist es doch der visuelle Stil, der die ersten Minuten von “Ash” anders macht. Flying Lotus vermischt Effekte und Filmtricks der alten Schule mit modernem Setdesign und CGI, was dem Streifen seine ganz eigene Atmosphäre gibt. Die grellen Farben und psychedelischen Momente zusammen mit dem großartig wummerndem Soundtrack aus Flying Lotus’ eigener Feder tragen dazu bei, dass die ersten zwei Akte trotz vorhersehbarer Handlung doch spannend sind. Als sich “Ash” aber dem Ende zuneigte und sich jede meiner Befürchtungen in der Story bewahrheitete, setzte bei mir Ernüchterung ein. Mit der kreativen Herangehensweise von Flying Lotus und einem besseren Skript hätte sich ein Kultfilm ins kollektive Gedächtnis von Sci-Fi-Nerds verewigen können. Leider bleibt “Ash” doch eine Enttäuschung, die sich mit einem schwachen Ende und einer blassen Hauptdarstellerin alles zunichte macht.
Meine Bewertung: 4/10
“Sinners” – Musiker, Sünder und die, die über sie richten
Nach seinen Ausflügen ins Blockbusterkino hat sich Regisseur Ryan Coogler (“Black Panther”) wieder einem kleineren Projekt gewidmet, das ihm wohl eine Herzensangelegenheit war. Gemeinsam mit seiner Muse Michael B. Jordan (“Creed”), mit dem er bereits seit dem großartigen “Fruitvale Station” zusammenarbeitet, hat Coogler einen Film geschaffen, der voller Symbolik und Metaphern steckt. Nebenbei gibt es in “Sinners” noch jede Menge coole Musik und interessante Momente, wobei dem Genre-Mix letztendlich nicht alles gelingt.
“Sinners” spielt im Jahr 1932 in den US-amerikanischen Südstaaten – eine Zeit in der die Rassentrennung überall spürbar ist. Die Zwillinge Smoke und Stack (beide gespielt von Jordan) kehren in ihren kleinen Heimatort zurück, um mit ihrem Cousin Sammie (Miles Caton) eine Blues-Party zu veranstalten, die ihnen Geld einbringen soll. Ein paar ungebetene Gäste verwandeln aber das Stelldichein in ein Blutbad.
Die ersten zwei Drittel von “Sinners” gehörten zu den besten, die ich bisher in diesem Filmjahr gesehen habe. Methodisch werden nicht nur die Protagonisten und ihre Vergangenheit vorgestellt, auch ein Gefühl für die Umgebung und Atmosphäre wird geschickt vermittelt. Nach und nach lernen wir ebenso die Nebenfiguren kennen und schon nach wenigen Minuten sympathisieren wir mit ihnen. Die Planung der Party, bei der Sammie sein Talent an der Gitarre unter Beweis stellen soll, ist dabei nicht weniger spannend anzusehen. Schritt für Schritt erreichen es die Zwillinge mit ihrer Mischung aus Charme und Einschüchterung, ihre Location, Musik sowie Verpflegung zusammenzubekommen. Alles mündet in einer wundervollen Feierszene voller großartiger Musik, die auch noch eine der fantastischen Szenen des bisherigen Jahres bereithält. Das Ende, das hier nicht verraten werden soll, schafft es dann aber nicht mehr, an den Anfang und die Mitte anzuknüpfen. Es kommt ein wenig zu überhastet daher und der Climax hätte spannender sein können. Im Endeffekt verfolgt “Sinners” aber höhere Ziele. Der größte Teil der Handlung, Figuren und Ereignisse sind Metaphern, die für die afroamerikanische Kultur und deren Zerrissenheit innerhalb der weißen Mehrheitsgesellschaft stehen. Dabei geht es um kulturelle Aneignung, den Verkauf der sinnbildlichen Seele und das Vermächtnis von Musik als Zeichen einer Identität. Es gelingt Ryan Coogler, all dies in knapp 140 Minuten Laufzeit unterzubringen, was ihm hoch anzurechnen ist. Hätte aber “Sinner” sein Ende auch so genial auserzählt wie seinen Anfang, wäre er ein echtes Meisterwerk gewesen. Dennoch würde ich eine Sichtung empfehlen.
Meine Bewertung: 6/10
“Havoc” – Ein Schlag in die Magengrube
Seit den indonesischen Action-Klassikern “The Raid” und “The Raid: Redemption” habe ich mir gewünscht, dass Regisseur Gareth Evans endlich ein Projekt im Westen mit einem höherem Budget realisieren darf. Eine Kostprobe darauf gab es schon 2018 mit seinem überzeugenden Horrorfilm “Apostle”. Umso gespannter war ich, als Netflix den ersten Trailer zu Evans’ neuesten Krimi-Action “Havoc” veröffentlichte. Was im Trailer mit Stars wie Tom Hardy (“The Revenant”), Forest Whitaker (“The Last King of Scotland”) und Timothy Olyphant (“Justified”) auch vielversprechend aussah, entpuppte sich als Strohfeuer.
Die Story, die kaum erwähnenswert ist, steckt voller Klischees und abgedroschenen Dialogen. Hardy wirkt in der Hauptrolle eher gelangweilt und schleppt sich dröge durch eine belanglose Handlung, die nicht einen Funken Spannung erzeugt. Zugegeben, auch Gareth Evans’ zweites Werk “The Raid: Redemption” hat etwas Zeit gebraucht, um in Fahrt zu kommen. Aber dafür war der Ausflug in die Unterwelt von Jakarta sehr interessant, und der Film wusste genau, wann er das Tempo für eine packende Actionszene anziehen musste. In “Havoc” allerdings scheinen Dinge einfach nur so zu geschehen, damit der Film zum nächsten Punkt übergehen kann. Und die Action ist auch einfach zu rar gesät, um den langweiligen Rest zu kompensieren.
Des Weiteren ist “Havoc” wohl der hässlichste Film, den ich in 2025 gesehen habe. Normalerweise drehte Evans an echten Schauplätzen oder in überzeugenden Sets, die ein gewisses Gefühl von Realität und Charakter vermittelten. Sein jüngstes Werk ist ganz offensichtlich nur im Studio gedreht worden und wurde um sehr schlechte Greenscreens und Computereffekte ergänzt. Die wenigen Actionszenen haben zwar die übliche Brutalität und Rauheit, wie wir sie von Evans kennen, aber ihnen fehlt es an Kreativität und Ideen. Eine Schießerei/Schlägerei in einer Disco haben wir seit “John Wick” schon unzählige Male im Genre gesehen. Ich hoffe, dass ich mich täusche, aber es scheint fast so, als würde sich Gareth Evans in seiner früheren Wahlheimat Indonesien und ohne große Namen selbstbewusster beim Drehen fühlt. Denn “Havoc” wirkt im Gegensatz zu den “The Raid”-Filmen zahn- und lieblos.
Meine Bewertung: 3/10
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