Kritik: “Anora” – Eine wilde Achterbahnfahrt der Emotionen
Eine menschliche Auseinandersetzung mit den Randgruppen der Gesellschaft zeichnet Sean Bakers Filme aus. Auch sein neuster Einblick in den Klassenkampf der USA überzeugt auf ganzer Linie. Wenn wir an die Vereinigten Staaten von Amerika denken, fallen uns wahrscheinlich Wall Street, Disneyland und ein gewisser orangehäutiger “Milliardär” ein. Fernab des “American Dreams” liegt aber eine hässliche, von Armut, Verzweiflung und erbitterten Konkurrenzkampf geprägte Welt. Genau diese Welt legt der Regisseur und Drehbuchautor Sean Baker offen. In seinen Filmen, zumindest die ich von ihm gesehen habe, zeichnet er faszinierende Charakterstudien von gescheiterten Existenz, die wir nur selten zu Gesicht bekommen. Oder auch wollen. So beschäftigte sich etwa “The Florida Project” (2017) mit den Bewohner:innen eines heruntergekommenen Motels, das unweit von Disneyland liegt. “Red Rocket” (2021) erzählt von einem Ex-Pornostar (Simon Rex), der sich in einer texanischen Kleinstadt durch Betrügereien...