Das “Alien”-Franchise – Wie ein unheimliches Wesen mein Herz eroberte
Vor 45 Jahren begann die “Alien”-Reihe, die jetzt mit “Alien: Romulus” wieder Angst und Schrecken auf der Leinwand verbreiten will. Lest hier, warum dieses Sci-Fi-Horror-Franchise mir so sehr am Herzen liegt.
Für manche war es “Star Wars”, für manche “Herr der Ringe”. Fast jeder Film-Nerd erinnert sich wohl noch daran, wann seine oder ihre Leidenschaft für die bewegten Bilder geweckt wurde. Bei mir war es James Camerons “Aliens”, das ich im Alter von zehn oder 11 Jahren erstmals sah.
Da ich mit einem älteren Bruder in einem recht großen Haus aufwuchs, war es für uns ein Leichtes, bei Familienfeiern einfach davon zu schleichen und ungestört Filme nachts im Fernsehen zu sehen, die eigentlich nicht für uns bestimmt waren. Einer davon war, wie gesagt, Camerons Action-Horror-Sci-Fi-Hybrid von 1986. Ab der ersten Sekunde war ich vollkommen gepackt von dieser anderen Welt, die futuristisch, aber nicht optimistisch wirkte, wie ich es etwa aus “Star Trek” kannte. Vielmehr herrschte hier eine gewisse Kälte und Distanziertheit zwischen den Figuren und der Umwelt, in der sie lebten. Gleichzeitig war diese aber so detailliert und ausgebaut, dass sie sich unglaublich echt anfühlte.
Je länger ich zuschaute, desto mehr packte mich “Aliens”. Die Vorbereitung der Space Marines auf ihren Absprung auf dem Mond LV-426, die unheimliche Erkundung der Station Hadley’s Hope und dann die non-stop Action, die mit den ersten Auftreten der Xenomorphs, diesen unwirklichen Monstern beginnt, entfachten ein Feuer in mir, das nur “Mad Max: The Road Warrior” ebenso zu entfachen wusste. Mein Interesse an dieser Welt wurde geweckt.
Über die Jahre hinweg konsumierte ich fast alles, was den Titel “Alien” trug und diesem auch würdig war. Ob Videospiele, Comics oder Romane, ich konnte nicht genug vom bösartigen Großkonzern Weyland-Yutani und dem unheimlichen Wesen aus einer anderen Welt bekommen. Was Science-Fiction angeht, gehört dieser Kosmos zu meinen absoluten Favoriten. Was mich besonders anspricht, ist die Zukunftsvision einer Menschheit, die das Weltall bereist, aber nicht optimistisch und altruistisch wie etwa in "Star Trek" ist. Vielmehr herrscht die kalte Hand des Kapitalismus, die versucht, eine Macht, die sie nicht versteht, zu bezwingen. Zugleich bieten die Themen von der Rolle der Menschheit in der Unendlichkeit des Universums sowie die Bilder von Sexualität und dem Fortbestand des Lebens, egal in welcher Form, reichlich Platz zum Nachdenken.
Das Prunkstück dieses Frachnises sind und bleiben aber die Filme, deren Qualität zwar stark schwankt, mich aber immer wieder durch ihre faszinierende Welt und den Visionen verschiedener Regisseure abholt. In “Alien: Romulus”, dem mittlerweile siebten Ableger der Reihe, entführt uns nun Fede Alvarez (“Don’t Breathe”) in das unerbittliche Universum der Xenomorphs. Passend zum Kinostart möchte ich meine Meinung zu den bisherigen “Alien”-Filme darlegen und aufzeigen, wie dieses Science-Fiction-Franchise mich bis heute in den Bann zieht.
“Alien” (1979) – The perfect organism (The perfect film)
Bis in meine Jugendjahre blieb “Aliens” der einzige Teil der Filmreihe, den ich kannte und liebte. Von dem ersten Film hörte ich nur beiläufig, natürlich auch durch die Schilderungen der Protagonistin Ellen Ripley (Sigourney Weaver).
Was ich aber über Ridley Scotts zweiten Spielfilm aus dem Jahre 1979 herausfinden konnte, war, dass es sich vor allem um einen Horrorfilm handelt, der weniger auf die opulente Action aus James Camerons Werk setzte. Allein das weckte schon meine Neugierde. Und als ich in meinen frühen Teenager-Jahren “Alien” zum ersten Mal schaute, wusste ich, dass ich einen meiner All-Time-Favourites zu Gesicht bekommen habe.
Das Erfolgsrezept von Scotts Werk liegt in seiner Einfachheit, die hinter der Fassade tiefer und tiefer geht. Die Story um sieben Space-Trucker, die versehentlich einen bösartigen außerirdischen Organismus auf ihr Schiff lassen, ist schnell erzählt und wurde schon hunderte Male kopiert. Wie aber bei so vielen großartigen Filmen, steckt die Stärke von “Alien” darin, wie die Geschichte erzählt wird, was nie auch irgendein Nachahmer erreichen konnte.
Die Filmkritiker-Legende Gene Siskel tat “Alien” seinerzeit als ein “Spukhaus im Weltraum” ab. Sicherlich lag er nicht falsch, übersah aber, wie viele Details und Einzelheiten im Setdesign, den Kostümen und der geschaffenen Welt insgesamt steckten. Das Innere des Raumschiffs Nostromo, der hauptsächliche Handlungsort des Films, wirkt unorganisiert und etwas vermüllt, was ihn noch lebendiger und realer erscheinen lässt. Viele Ausdifferenzierungen im “Alien”-Kosmos, wie etwa der omnipräsente Großkonzern Weyland-Yutani oder der Ursprungs des Xenomorphs, wurden nur angedeutet, geben aber genug Informationen, dass wir diese Lücken selbst füllen können. Somit passt auch diese simple Story besser in einen größeren Kontext. Die Nostromo-Crew stolpert ungewollt in eine Situation, die sie nicht versteht und zu lösen weiß. Es gibt keinen finalen Kampf ums Überleben der Menschheit oder die Errettung der Erde. Es geht nur ums nackte Überleben im Angesicht einer völlig unbekannten Bedrohung.
Weitere Details, die diesen Streifen mit so viel Leben anreichern, sind auch die Figurenbeziehungen, die wir am Rande mitbekommen. Die Maschinenarbeiter Parker (Yaphet Kotto) und Brett (Harry Dean Stanton) scheinen ein nicht allzu gutes Verhältnis zu dem Rest der Crew zu haben, was interessante Konflikte heraufbeschwört. Nach meiner zigsten Sichtung von “Alien” stach für mich vor allem Ash (Ian Holms) besonders hervor. [Spoiler!:] Dieser entpuppt sich zum Finale als Android, der von der Firma eingeschleust wurde, um das unheimliche Monster zu studieren. Bereits mit seinem ersten Auftreten wird klar, dass er von Anfang die Crew in Richtung des Planeten bzw. des mysteriösen außerirdischen Schiffes, welches das Alien beherbergt, schubst und stets versucht, seine Schritte und sein Vorhaben zu vertuschen.
Was gibt es also noch zu diesem Klassiker zu sagen, was nicht schon gesagt wurde? Sigourney Weaver ist eine wahre Offenbarung und ich persönlich finde, dass diese Darstellung, neben dem dritten Teil, ihre beste von der stoischen Ellen Ripley ist. Das Monster-Design des schweizer Künstler H.R. Giger ist und bleibt ikonisch, auch wenn wir eventuell in der Popkultur etwas übersättigt davon sind (falls das möglich sein sollte). Und natürlich das langsame Pacing, das sich bis zu einem eindringlichen dritten Akt steigert, ist perfekt und gibt den Zuschauer*innen genug Raum, sich in die Figuren, ihre Umgebung und ihre ausweglose Situation hineinzufühlen. Für mich ist und bleibt “Alien” ein perfekter Film, der alles richtig gemacht hat und zurecht ein popkulturelles Phänomen lostrat.
Meine Bewertung: 10/10 (Director’s Cut: 9,5/10)
“Aliens” (1986) – Let’s rock!
Einige Jahre nach dem großen Erfolg von “Alien” (185 Mio. US-Dollar Einnahmen bei einem Budget von 11 Mio.) war es klar, dass es eine Fortsetzung geben muss. Dieser nahm sich ein noch junger James Cameron (“Avatar”) an, der mit “Terminator” (1984) bereits sein Können als visionärer Sci-Fi-Regisseur bewies. Und auch mit “Aliens” zeigte Cameron, dass ihm die Zukunft in Hollywood gehören wird.
Der zweite Teil setzt nach den Ereignissen auf der Nostromo an: Ripley hat 57 Jahre im Kälteschlaf verbracht und wurde vom Konzern Weyland-Yutani aufgetaut. Niemand schenkt ihrer Geschichte Glauben, bis der Kontakt zu einer Kolonie auf LV-426 abbricht. Mit einer Gruppe Marines soll sie herausfinden, ob es zu einem Xenomorph-Ausbruch kam.
“Aliens” folgt einem ähnlichen Aufbau wie der erste Teil: Der erste Akt wird eher gemächlich erzählt und Figuren sowie Handlungsstränge nach und nach aufgebaut. Im zweiten begegnen wir dem Monster oder besser gesagt, den Monstern in diesem Falle, und der Plot nimmt Fahrt auf und lässt bis zum Schluss nicht nach. Während der Vorgänger aber stärker auf Spannung und Horrorelemente setzte, ließ James Cameron in seinem Sequel vor allen Dingen die Action sprechen. Überall explodiert und qualmt es, Kugel fliegen durch die Gegend und die Masse an Xenomorphs und ihre Königin wirkt bedrohlicher denn je.
Wie immer ist es die technische Umsetzung, die einen Cameron-Film auszeichnet. Sets und Requisiten sehen einfach perfekt und lebensnah aus, trotz ihres futuristischen Anstrichs. Um die damalig aufwendigen Effekte umzusetzen, nutzte der heutige dreifache Oscar-Preisträger jeden Trick, den die Filmwelt zur Verfügung stellte. Von Hintergrundprojektionen, die die karge Planetenlandschaft simulierten, über riesige Puppen, die die Xenomorph-Königin zum Leben erweckten, bis hin zu cleveren Shots, die rückwärts liefen, um Bewegungsabläufe besser darzustellen, zog Cameron sämtliche Register. “Aliens” bleibt einer dieser oldschool Effektfilme, bei denen ich mich häufig frage: “Wie haben die das bloß gemacht?”. Filme hatten doch noch etwas mehr Magie, bevor fast alles durch Computer möglich wurde.
Bis heute gilt “Aliens” als die Blaupause für das gesamte Universum, das sich auf verschiedene Medien ausgedehnt hat. Dies ist vor allem James Cameron zu verdanken, der die Welt noch größer dachte, als es noch sein Vorgänger Ridley Scott tat. Das ist auch die Stärke, aber gleichzeitig auch die einzige Schwäche des Action-Krachers von 1986. Während “Alien” noch wie eine kleine, “unwichtige” Story in einem gleichgültigen Kosmos rüberkam, erscheinen die Ereignisse in “Aliens” wichtiger und epischer. Den Monstern wird so ein wenig der Mythos genommen und sie werden ein klein wenig entzaubert. Auch der größere Kontext um die Xenomorphs, wie etwa das Schiff und der mysteriöse fossilierte Pilot, sind nicht mehr Thema. Zumindest nicht in der Kinofassung.
Und wo wir von den Fassungen sprechen: Für viele Fans gilt Camerons Director’s Cut als die beste Version. Im Gegensatz zum ersten Teil, bei dem Scott (zurecht) keine Verbesserungsbedarf sah, ist die erweiterte Fassung von “Aliens” doch sehr anders und ausführlicher als der ursprüngliche Film, der in den 1980er Jahren im Kino lief. Ich persönlich ziehe diese auch dem Director’s Cut vor, der zwar die äußerst wichtige Szene über Ripleys Tochter beinhaltet, aber sich zu lange hinzieht, an manchen Stellen das Tempo rausnimmt und den Handlungsort zu früh einführt und ihm etwas an Atmosphäre nimmt.
In jedem Fall hat sich “Aliens” sein Klassikerstatus verdient und ist nicht nur ein Meilensteins fürs Science-Fiction-Genre, sondern fürs Blockbusterkino á la James Cameron im Allgemeinen.
Meine Bewertung: 9/10 (Director’s Cut: 8,5/10)
“Alien 3” (1992) – You've been in my life so long, I can't remember anything else
Von der einzigen Katastrophe, die die Produktion von “Alien 3” war, wurde schon oft genug berichtet. Daher nur eine kurze Zusammenfassung, um die Umstände des dritten Teil der Geschichte um Ellen Ripley aufzuzeigen: Der Riesenerfolg von “Aliens” verlangte selbstverständlich ein Sequel, für das es aber kaum Ideen gab, und auch Sigourney Weaver blieb in dieser Hinsicht zurückhaltend. So wurden zahlreiche Skripte und Regisseure an Bord geholt und wieder verbrannt, sodass das Studio 20th Century Fox sich auf einen unerfahrenen David Fincher einigte, der ohne finales Drehbuch und einem Haufen Konzepte einen abendfüllenden Spielfilm fabrizieren musste.
Auch wenn Fincher bis heute “Alien 3” hasst, und der Film auch unter Fans gemischt wahrgenommen wird, oute ich mich als Fan dieses Sci-Fi-Thrillers. An einigen Ecken und Enden merkt man dem Streifen an, dass hier zu viele Köche am Brei zugange waren, während der Regisseur nur eine ausführende Aufgabe hatte. Dennoch ist es erstaunlich, dass Fincher aus diversen Flicken einen doch ansehnlichen Teppich sticken konnte.
In “Alien 3” crasht Ripley mit einem Rettungsmodul auf einem Gefängnisplaneten. Die anderen Überlebenden des Hadley’s-Hope-Vorfalls kommen dabei um. Während die trauernde Ripley auf ihre Abholung wartet, meuchelt sich in der Strafkolonie ein Xenomorph durch die Insassen.
Auch wenn man David Fincher dafür bewundern muss, nach dem ganzen Produktionschaos einen Film mit Ende, Mitte und Anfang herausbekommen zu haben, ist “Alien 3” sein Frankenstein-Skript anzumerken. Bis auf Ripley bleiben die restlichen Figuren ziemlich blass. Zwischen all den kahlgeschorenen Gefängnisinsassen und Wärtern, die ähnliche Kleidungen, und viele von ihnen mit einem ähnlichen britischen Akzent sprechen, fällt kaum einer auf. Lediglich Charles Dance (“Game of Thrones”) als Stationsarzt Clemens sowie der charismatische Sektenführer Dillon, gespielt von Charles S. Dutton (“Menace II Society”), stechen heraus.
Obwohl wir aus den beiden Vorgängern ein starkes Ensemble von Figuren gewohnt sind, nimmt sich “Alien 3” zurück – das aber aus einem guten Grund, wie ich finde. Da Fincher mit einem Stückwerk von einem Drehbuch arbeiten musste, legte der damalige Regie-Neuling seine Aufmerksamkeit auf die Thematik des Films, die perfekt zu dem als Abschluss der Trilogie geplanten Streifen passen. Religiöse Symbolik durchzieht die Szenerie. Die depressive Stimmung, die vielleicht nicht jedem zusagt, hat geradezu etwas Apokalyptisches, was sich aber ideal mit den religiös-fanatischen Insassen deckt, die auf dem Kargen Planeten das Ende der Welt erwarten. Die Ankunft des Xenomorphs ist somit als die Ankunft eines Todesengels oder Dämons zu sehen, der das Armageddon wie ein Reiter der Apokalypse einläutet.
Vor allen Dingen ist es die Atmosphäre, die den unrund erzählten “Alien 3” rettet. Wie wir es heute aus David Finchers Arbeiten kennen, fängt die Kamera jedes noch so kleinste Detail ein, das uns in die Umgebung eintauchen und fühlen lässt, was die Figuren gerade fühlen. Auch die auffälligen Kamerafahrten, die Finchers Markenzeichen sind, finden wir hier schon wieder und lassen uns bspw. erstmals die Welt aus den Augen des Xenomorphs erblicken. Für viele Fans war und ist der Übergang von bombastischer Action zur eschatologischen Trauerstimmung und abstrakten Aufnahmen zu befremdlich, für mich aber traf es genau einen Nerv. Unsere Heldin Ripley sollte hier zu ihrem Frieden finden, den das Monster aus dem All ihr stets verwehrte. Ein solcher Abschluss, der eine völlige Antithese zu Camerons Spektakel ist, macht für mich die ursprüngliche “Alien”-Trilogie so meisterhaft. Jeder Film steht nur für sich und für die kreativen Köpfen, die dahinter standen. Auch wenn beim dritten Teil ein paar Köpfe zu viel ihre Ideen einbringen wollten.
Abgesehen vom leicht holprigen Plot, der im sogenannten “Assembly Cut” ein wenig geglättet wurde, weist aber “Alien 3” in anderen Aspekten leider qualitative Mängel auf. Die Spezialeffekte überzeugen nur teilweise und brechen im Gegensatz zu “Alien” und “Aliens” ein wenig mit den zuvor perfekten Illusionen. Wirklich schlecht ist aber das Sound-Mixing und -Editing. Geräusche hören abrupt und unnatürlich auf, Dialoge zweier Figuren in einem Raum haben unterschiedliche Qualitäten, und ein Moment am Ende ist gar so schlecht vertont, dass ich mich bis heute frage, warum das niemandem in der Postproduktion aufgefallen ist. Womöglich ging die Zeit aus, um den anvisierten Starttermin nicht zu verpassen. Hierfür gibt es im Vergleich zum ersten und zweiten Teil deutliche Punktabzüge.
Auch wenn “Alien 3” kein perfekter Vertreter der Reihe ist, kann ich dem Film noch immer viel abgewinnen. Die dichte Atmosphäre, die Thematik und ein neues Xeno-Design sorgen nach wie vor dafür, dass ich bei Ripleys (vorerst) finalen Kampf nicht wegschauen möchte. Wer “Alien 3” nochmal eine Chance geben möchte, oder wer den Streifen mag und mehr will, sollte auf jeden Fall den “Assembly Cut” schauen. Zwar ist dies kein offizieller Director’s Cut, da David Fincher nichts mehr mit diesem Projekt zu tun haben möchte, aber dennoch lassen die hinzugefügten und etwas veränderten Szenen erahnen, dass in “Alien 3” doch mehr Potenzial schlummerte, als es die Mühlen des Filmgeschäfts zuließen.
Meine Bewertung: 6,5/10 (Assembly Cut: 7/10)
“Alien: Resurrection” (1997) – Who do I have to fuck to get off this thing?
Man kann sehen, wie man es will, aber für mich wäre “Alien 3” das perfekte Ende einer der großartigsten Trilogien der Filmgeschichte gewesen. Aber natürlich waren die Xenomorphs zu präsent in der Popkultur und die Enttäuschung der Mehrheit zu groß, um diese Cash-Cow nicht doch noch etwas mehr zu melken. Und so kam es, dass nach langem Hin und Her und erneut einem Haufen Ideen doch noch mit “Alien – Resurrection” ein vierter Teil im Jahr 1997 das Licht der Welt erblickte. Auf dem Regiestuhl nahm dieses Mal der Franzose Jean-Pierre Jeunet Platz, der sich durch Filme wie “Die Zauberhafte Welt der Amelie” oder “Die Stadt der verlorenen Kinder” einen Namen machte. Eine ungewöhnliche, kreative Wahl, die aber leider nicht ins Franchise passte. Oder vielleicht doch?
Es sind 200 Jahre seit Ripleys Märtyrertod auf dem Gefängnisplaneten Fiorina 161 vergangen. Aus Blutproben haben Militärwissenschaftler die Kriegerin geklont und gleichzeitig auch damit die Xeno-Königin in ihrem Körper. Wie zu erwarten, kann auch das Militär nicht das unheimliche Wesen bändigen und schon bald wird ihr Schiff von Xenomorphs überrannt.
Die Handlung von “Alien – Resurrection", für die der “Avengers”-Regisseur Joss Whedon verantwortlich war, klingt nicht nur hanebüchen, sie ist es auch von Anfang bis Ende. Auch wenn es eine Erklärung dazu gibt, warum die Königin mit Ripley geklont werden konnte, will mir die Logik dahinter noch immer nicht in den Kopf gehen. Warum erzählt man nicht eine komplett neue Geschichte? Darüber hinaus hat der vierte Teil wenig Kreatives in seiner Story zu bieten. Wir befinden uns wieder im All, aber dieses Mal gibt es mehrere Xenos und ihre Königin, die für Chaos und Verstümmelung sorgen. Also “Alien” und “Aliens” in einem. Neben Sigourney Weaver als Ripley bekommen wir ein kleines Ensemble aus Weltraumpiraten um Ron Perlman (“Hellboy”) und Winona Ryder (“Stranger Things”) als Protagonist*innen zu sehen. Diese gehen kaum über ihre ach so cleveren Whedon-esquen One-Liner hinaus und mir war es stets egal, wer von ihnen überlebt oder nicht. Allen ist gemein, dass sie extrem unsympathisch rüberkommen und außer durch die Gegend zu ballern, nichts weiter zum Plot beitragen.
Ich habe bisher keine andere Arbeit von Jeunet gesehen. Aber was ich über “Amelie” weiß, lässt mich doch wundern, warum man ihn ausgerechnet für einen “Alien”-Film angeheuert hat. "Resurrection" wirkt auf mich wie eine Farce, gar wie eine Parodie auf das Franchise. Die machohaften männlichen Figuren des Films sind viel zu überzeichnet und lassen den Defätismus der Space-Marines aus “Aliens” vermissen. Ripley ist oder soll als Klon sicherlich nicht mehr dieselbe sein. Aber ihre Bad-Ass-Attitüde passt nicht zu der kalkulierenden, intelligenten Frau, die ihre Gefühle aber nie verbarg. In einem Moment des Films scheint die Ripley, die wir kennen und lieben, sogar etwas hindurch, wird aber durch einen mehr als unpassenden Spruch von Perlmans Figur daraufhin wieder entwertet.
Mein größtes Problem neben den uninteressanten Figuren und dem klischeehaften Plot ist aber die Darstellung der Xenomorphs selbst. Ja, man kann kein*e Zuschauer*in mehr mit dem genialen Giger-Design überraschen. Dennoch bekommen wir das Monster schon so früh zu Gesicht, dass es die Spannung vollkommen absaugt. Auch ihr Verhalten wirkt merkwürdig. Sie verhalten sich viel animalischer anstatt wie die taktischen Raubtiere aus den vorherigen Streifen und lassen sich viel einfacher im großen Action-Getöße bereitwillig wegschießen. Zudem gefällt mir das angepasste Design nicht, das dem Xenomorph nun Beine wie bei einem Velociraptor gegeben hat. Dass die Biester nur so mit Schleim überzogen sind, macht sie auch nicht gruseliger. Wo ist der biomechanische Albtraum geblieben, der Sexualität und Befremden zugleich verkörpert?
Ich möchte aber “Alien – Resurrection" nicht zu sehr zerreißen, denn irgendwo besitzt der Streifen einen gewissen “französischen” Charm. Die Absurdität wird manchmal so hochgespielt, dass "Resurrection" tatsächlich ziemlich witzig sein kann, ob gewollt oder ungewollt. Auch das Szenenbild und einige ungewöhnliche Kamerafahrten sowie -einstellungen sind nett anzusehen, obwohl das Innere des Raumschiffes in seinen Proportionen alles andere als realistisch ist. Genau dort liegt aber auch die große Schwäche von "Resurrection".
Selbstverständlich kann Science-Fiction nicht immer hundertprozentig realistisch sein, aber eine gewisse Bodenständigkeit und Nahbarkeit ist es, was das “Alien”-Franchise auszeichnet. Darum kümmerte sich Jeunet nicht und drehte eine überzogene Farce, die wohl selbst aus einer fremden Welt stammte.
Meine Bewertung: 4/10 (Director’s Cut: 4/10)
“Prometheus” (2012): Big things have small beginnings
In den 2000ern wurde es still im Kino, wenn es um die “Alien”-Reihe ging. Zwar wurden wir Fans mit zahlreichen Comics und Games (deren Qualität ganz der Tradition nach schwanken) versorgt, aber auf einen neuen Film aus diesem Universum mussten wir lange warten. Bis 2012 Ridley Scott mit “Prometheus” wieder an seine alte Wirkungsstätte zurückkehrte. Der Hype im Voraus war riesig. Der Eindruck der Fans hinterher aber ernüchternd. Zurecht? Ich möchte sagen: Nein, zumindest nicht ganz.
“Prometheus” setzt ungefähr 30 Jahre vor dem Nostromo-Vorfall an: Die Wissenschaftlerin Elizabeth Shaw (Noomi Rapace) organisiert mit Hilfe der Weyland Corp. eine Expedition (u.a. Idris Elba, Charlize Theron) zu einem fernen Himmelskörper, um die Schöpfer der Menschheit zu treffen. Was sie jedoch dort finden, lässt eher auf die Zerstörer der Menschheit schließen.
Die ersten Reaktionen fielen zwar positiv bei Kritiker*innen, unter Fans aber gemischt aus. Die Enttäuschung über das Prequel rührte von unter anderem daher, dass sich die Geschichte zu sehr von den Xenomorphs und ihrem Ursprung entfernte. Was aber für einige eine Schwäche war, gehört für mich zu den Stärken von “Prometheus”. Das Konzept vom Treffen mit Gott, das aber in der Entdeckung einer Massenvernichtungswaffe endet, ergänzt den kosmischen Horror, den Scott selbst 1979 begann. Dass der Xenomorph nur ein Teil eines noch größeren Kosmos hinter ihm ist, macht für mich die Anziehungskraft der Reihe aus, und “Prometheus” dringt noch tiefer in diese Materie ein, indem der Film den Ursprung des Monsters nur andeutet. Statt den Eiern, den Facehuggern und Chestbustern, die schließlich zum Xenomorph heranwachsen, ist in diesem Falle eine unbekannte, schwarze Flüssigkeit der Antagonist. Wir erhalten nur wenig Auskunft darüber, was diese Flüssigkeit genau ist und wie sie anscheinend Erbmaterial verändert. Aber wir müssen auch nicht mehr erfahren, denn in ihrer Fremdartigkeit steckt erneut das Grauen.
Genauso verhält es sich mit den vermeintlichen Schöpfern der Menschheit, den sogenannten “Engineers”. Diese übergroßen, porzellanhäutigen Wesen bleiben durchweg ein Mysterium und ihre Motivation hinter der Erschaffung und der geplanten Vernichtung der Menschen wird nicht weiter ausgeführt. Ich kann verstehen, dass das bei vielen Zuschauer*innen zu Frustration führte, für mich aber ergab sich dadurch nur ein weiteres Rätsel in diesem weitläufigen Kosmos, das gelöst werden wollte. Die Antworten hätten wir auch sicherlich bekommen, wenn Scott diese Geschichte nach seiner Vorstellung weiter erzählt hätte.
Wo “Prometheus” aber wirklich Klassenprimus ist, ist seine technische Umsetzung. Die Cinematografie ist teilweise atemberaubend. Die karge Landschaft des Mondes LV-223 wird durch Weitwinkelaufnahmen episch eingefangen und durch geschickt platzierte Computereffekte erweitert, die diese fremde Welt in eine lebensnahe Umwelt verwandeln. Das Raumschiff Prometheus selbst ist spektakulär und sinnvoll designt. Auch wenn ihre Technologie im Vergleich zur späteren Nostromo ein wenig anachronistisch wirkt, erscheint sie wie ein tatsächliches futuristisches Forschungsschiff. Der Soundtrack von Marc Streitenfeld darf auch nicht unerwähnt bleiben, der bekannte Melodien aus den Vorgängern aufgreift und diese modernisiert.
Schwächen zeigt “Prometheus” allerdings in seinem Skript. Dies wurde kurz vor Drehbeginn von Damon Lindelof (“The Leftovers” – eine sehr unterschätzte Serie übrigens) geschrieben. Die ursprüngliche Fassung war eine direkte Vorgeschichte von “Alien” und hätte die Herkunft des außerirdischen Raumschiffwracks sowie der Xenomorph-Eier erzählt. Aufgrund dieser Änderungen in letzter Minute wirkt die Handlung, zumindest so wie sie im fertigen Film präsentiert wird, teilweise überhastet und lässt zu wenig Freiraum, um sich zu entfalten und Zusammenhänge mehr Platz zu bieten. Ein gemächliches Tempo, so wie es Scott 1979 eingeschlagen hat, wäre angemessener gewesen. Die Figuren und ihre Darstellungen kommen daher auch etwas zu knapp. Unsere Heldin Elizabeth Shaw erfüllt ihren Zweck, jedoch bleibt sie ein wenig oberflächlich und zeigt weniger komplexe Emotionen wie es bspw. bei Ripley der Fall war. Da kann die sonst auch großartige Noomi Rapace (“Lamb”) nichts dran ändern. Ähnlich erging es fast dem gesamten Rest des Casts, die durch dämliche Handlungen und völlig deplatzierten Emotionsausbrüchen aus dem ansonsten spannend erzählten Plot reißen. Herausstechen aber Charlize Theron (“Monster”) als kaltblütige Weyland-Repräsentantin Vickers und besonders Michael Fassbender als der neugierige Android David, der sein ganz eigenes Spiel spielt. Fassbenders physische Präsenz und Mimik erheben die seelenlose Maschine in Menschengestalt zum heimlichen Star von “Prometheus”.
Bis zu einem gewissen Grad kann ich verstehen, dass nicht jeder Fan mit “Prometheus” warm werden konnte. Vergleiche zu “Star Wars”-Prequels gingen mir aber zu weit. “Prometheus” ist nicht perfekt und hat sein Potenzial nicht hundertprozentig ausgeschöpft. Aber dank seiner technisch großartigen Umsetzung und der Vertiefung des “Alien”-Universums bietet der Streifen solide Science-Fiction mit zahlreichen religiösen und existentiellen Themen. Man möchte sagen, dass hier Ridley Scott ein letztes Mal sein Herzblut in ein Projekt gesteckt hat, bevor er auf Autopilot in seiner späteren Karriere schaltete.
Meine Bewertung: 6/10
“Alien: Covenant” (2017): Signing off…
Um es im Voraus zu sagen: Ich habe den Nachfolger von "Prometheus", "Alien: Covenant”, nur einmal vor vielen Jahren gesehen und meine Motivation, ihn nochmal zu schauen, hält sich stark in Grenzen. Halten wir es daher kurz.
Anstatt direkt an das Ende des Vorgängers anzuknüpfen, folgen wir in “Covenant” neuen Figuren und einem neuen Szenario: Die Besatzung eines Kolonieschiffs (u.a. Katherine Waterstone, Danny McBride) empfängt auf ihrer Reise ein Notsignal von einem unerforschten Planeten. Dort angekommen erwartet sie nicht nur David, sondern auch eine Menge Proto-Xenomorphs.
Nachdem “Prometheus” zwar ein kommerzieller Erfolg war, aber bei den Fans nichts gut ankam, entschloss sich das Studio 20th Century Fox dazu, wieder etwas mehr Monster in das Science-Fiction-Franchise zu bekommen. Also ging Scott der Bitte nach und stopfte so viele Xenos rein, wie er nur konnte. Dafür wurden dem Anschein nach eine Menge alter Konzepte aus früheren "Alien"-Filmen benutzt, die bisher nicht realisiert wurden. Was dabei herauskam, war nichts weiter als ein 08/15-Slasher, der irgendwie versucht, die religiösen Themen aus dem Vorgänger unterzubringen. Das klappt selbstverständlich nicht.
Wenn ich auf einer Seite eine Gruppe von Kolonist*innen habe, die sich wie Teenager in einem “Friday the 13th”-Film anstellen (inklusive “Sex-in-der-Dusche”-Szene und heimliches Wegschleichen, um zu rauchen), während der nun hochentwickelte David von der Schöpfung einer neuen Spezies redet, ist das so, als würde Ridley Scott seinen Sonntagsbraten mit Zuckerglasur bedecken. Es mag zwar nett aussehen und im ersten Moment gut klingen, aber zusammen schmeckt es einfach nicht. Zumal sich sämtliche Beschwerden über die sorglosen Wissenschaftler*innen in “Prometheus” sich bei dieser inkompetenten Ansammlung an Protagonist*innen in Luft auflösen. “Covenant” wirkt teilweise unfreiwillig komisch und keine der Figuren sticht in irgendeiner Form hervor, auch nicht in der schauspielerischen Darbietung.
Grundsätzlich missfiel mir als Superfan die Idee, dass die Xenomorphs nun ein Produkt einer Künstlichen Intelligenz sein sollen. Im Grunde klingt diese Idee sehr interessant, aber sie raubt dem kosmischen Horror aus den ersten Filmen ihre mysteriöse Seite. Schon Cameron bewegte sich gefährlich nah an der Entmystifizierung, als er die Xeno-Königin einführte, aber das Spektakel rettete es wieder. Scoot schafft dies beim sechsten “Alien”-Film nicht. Die Entstehung der Xenomorphs ist viel zu kompliziert und platt erzählt, und dennoch sollen sie als klassische Filmmonster nur dem Zweck dienen, ein paar hübsche Menschen zu zermetzeln. Da helfen auch keine Gore-Effekte, die aber ehrlicherweise gut aussehen und effektiv sind.
Zu viel kann ich auch nicht mehr über “Alien: Covenant” schreiben. Sicherlich sollte ich mir den Streifen für eine eingehende Kritik nochmal ansehen. Aber da er mich schon beim ersten Mal so uninteressiert und fragend zurückgelassen hat, spare ich mir lieber die Zeit. Es würde mich auch nicht wundern, wenn dieser Vertreter der Reihe zukünftig einfach ignoriert wird.
Trotz des letzten Fehlschusses im Franchise bin ich optimistisch, was “Alien: Romulus” angeht. Fede Alvarez hat mit seinem Remake von “Evil Dead” (2013) und dem Thriller “Don’t Breathe” (2016) bewiesen, dass er atmosphärisch dichte Geschichten in einer isolierten Umgebung und mit schrecklichen Monstern erzählen kann. Und die "Alien"-Reihe führt damit wieder ihre Tradition fort, einem anderen Regisseur seine Geschichte über die Xenomorphs zu erzählen. Ich erwarte kein Meisterwerk beim nun insgesamt siebten Teil, aber besser als “Covenant” wird er (hoffentlich) werden.
Meine Bewertung: 3/10
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